Sattler Bräu Michael Flieher: 4755 Zell/Pram

Am 11. Juni 2009 hat mich der Arbeitskollege und Braumeister unserer Pilotbrauerei in Linz Michael Flieher zu einer Besichtigung seiner Hausbrauerei in Zell an der Pram eingeladen. Die Brauanlage ist in den Räumen der ehemaligen Sattlerei seines Großvaters untergebracht, wo früher Riemen und Gürtel erzeugt und repariert wurden. Der Name der Brauerei wurde von der ehemaligen Sattlerei abgeleitet. Die mit Gas befeuerte Sudpfanne aus Nirosta ist auf 120 Liter Ausschlagwürze ausgelegt und mit einem Rührwerk ausgestattet. An einem Brautag werden immer 2 Sude gebraut. Das Brauwasser wird vor Braubeginn in einem 300 l Boiler auf 80° C erhitzt und reicht für 2 Sude. Das Wasser mit  6-7° dt. Härte wird ohne Aufbereitung aus der Zeller Ortswasserleitung entnommen und kommt vom Salletwald, nahe Geiselham (Gemeinde St. Willibald). Als Läuterbottich wird ein Milchtank mit Senkboden verwendet. Mit einer Abmaischpumpe und einer eigenen Läuter- bzw. Würzepumpe wird die Maische und die Würze zwischen den Gefäßen befördert. In einem offenen Gärbottich mit Kühltasche werden vor allem obergärige Biere vergoren. Die Gärung und Lagerung von untergärigen Bieren erfolgt meistens in  ZKG-Tanks, bei denen im Mantel Glykol als Kühlmittel verwendet wird. Die Temperaturen der ZKGs werden über eine Steuerung geregelt. Die Flaschenabfüllung erfolgt durch einen Gegendruckfüller, der aus einem Füllbehälter mit CO2leitung, Bierleitung und Rückluftventil besteht. Mit diesem Füller kann in ca. 20 min eine Kiste abgefüllt werden.

Michael hat in Doemens den Braumeister absolviert und will daheim keine Mainstream-Biere, sondern Spezialbiere brauen. Die Biere werden meistens nur mit Aromahopfen (oft 3 Hopfengaben, auch Naturhopfen, der vor der Brauerei selbst angebaut wird) gehopft. Die Malze werden so eingesetzt, dass je nach Biertyp, die charakteristische Farbe des Bieres entsteht. Michael braut unter anderem auch dunkle Biere (Irish Stout, ...). Sein Motto ist, Biere zu brauen, bei denen ihr Charakter voll zur Geltung kommt. Über die Brauversuche schreibt er akribisch Protokolle. Während des Braubetriebs verkosteten wir ein Bier, das mit Cascade Hopfen gehopft wurde, welcher dem Bier eine zitronige Note verleiht. Im Schuppen neben der Brauerei wurde eine Türe des ehemaligen Beichtstuhls der Zeller Kirche (Innviertler Dom) eingebaut, wo Biertrinker beichten müssen, wenn sie in der Brauerei zuviel Sattler Bräu genossen haben. Leider braut Michael daheim nur ca. 5 x im Jahr und auch sein süffiges Bier wird nicht öffentlich ausgeschenkt.

 

 

 

Michael kontrolliert den Sud.

Anschwänzen mit Wasser aus einem eigenen Boiler.

 

 

Kühlung der Würze.

Diesmal erfolgt die Vergärung nicht im Gärbottich, sondern gleich im Tank.

 

Die beiden Tanks.

Flaschenabfüllanlage.

Ein Prost mit dem letzten Sud.

Der Beichtstuhl, wo überdurstige Biertrinker antreten müssen.